Die Fabel vom weissen Ysegrin

Die Kälte der hinabgefallene Schneeflocke auf meiner Nasenspitze, längst im Schmelzen begriffen, lässt mich aus einem dumpfen Albtraum erwachen, mit dem Augenschlag längst vertrieben. Noch benommen vom Schlaf erfassen meine Sinne die Kälte, die meine liegende Körperseite bis zur Wange berührt. Zunächst wie von Sinnen, kann ich nur ein blendendes Weiß erkennen. Mein Blick wandert umher. Eine Landschaft im Dämmerschlaf; von einer Schneedecke verhüllt. Ich setze mich auf; noch leicht verloren schaue ich an mir herab. Nicht mehr als eine schmucklose Kutte in aschgrauen Leinen an mir; ein Leichentuch hält die berstende Kälte wundersam von mir. An meinen Füßen Gamaschen aus den selben Laken gehalten von Birkenholz. Widme mich der Umgebung; um mich herum weisse Massen, unberührt und fern. Meereisblumen blitzen hier und dort auf; gesäumt von Grashalmen und Wurzeln von Reif gesprenkelt.

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Blasphemie

Ich weiß nicht, ob meine Liebe Sünde ist, gegen Gottes Recht verstoßt,
Doch weiß ich, dass die Qual sich all die Nächte lohnt.

Gott mag mich bestrafen, mir den Himmel verwehren,
Dennoch wird er damit nicht meine Sinne bekehren.

Soll der Herr mich verdammen, der Teufel mich holen,
verlässt du mich, fühle ich mich von Freude bestohlen.

Was ist das Paradies ohne dich, was soll ich in Garten Eden?
Du erfüllst mein Herz mit Passion, lässt mich erst Wahrheit sehen.

Das Himmelsreich wird zur Hölle wenn du nicht bei mir bist,
Gott mit all seinen Engel, egal wie makellos, reichen nicht.

Mein erster Gedanke gehört ihr, wenn ich den Tage beginne,
ich bin ihrer Anmut verfallen, vergib mir Vater im Himmel.

José David da Torre Suárez (2006)

Du stehst mir bei (Demo)

      Du stehst mir bei (Demo) - Fenryl Managarm

Oxalá, uma tenda

Es war wieder die Arbeitswoche eines Besessenen gewesen. Um nicht vollständig entrückt zu wirken beendete ich sie an einem Freitag Nachmittag. Die kalte Novemberluft verschaffte etwas Abkühlung als ich aus meiner schwarzen Bestie ausstieg. Schnellen Schrittes ging ich in den Lebensmittelladen, um einige wenige Dinge für das Wochenende zu erstehen. Weiterleiten…

Darkness implacable

He walked out in the gray light and stood and he saw for a brief moment the absolute truth of the world. The cold relentless circling of the intestate earth. Darkness implacable. The blind dogs of the sun in their running. The crushing black vacuum of the universe. And somewhere two hunted animals trembling like ground-foxes in their cover. Borrowed time and borrowed world and borrowed eyes with which to sorrow it.

Cormac McCarthy – The Road

Hymnen an die Nacht

Einst da ich bittre Thränen vergoß, da in Schmerz aufgelöst meine Hoffnung zerrann, und ich einsam stand am dürren Hügel, der in engen, dunkeln Raum die Gestalt meines Lebens barg – einsam, wie noch kein Einsamer war, von unsäglicher Angst getrieben – kraftlos, nur ein Gedanken des Elends noch. – Wie ich da nach Hülfe umherschaute, vorwärts nicht konnte und rückwärts nicht, und am fliehenden, verlöschten Leben mit unendlicher Sehnsucht hing: – da kam aus blauen Fernen – von den Höhen meiner alten Seligkeit ein Dämmerungsschauer – und mit einemmale riß das Band der Geburt – des Lichtes Fessel. Hin floh die irdische Herrlichkeit und meine Trauer mit ihr – zusammen floß die Wehmuth in eine neue, unergründliche Welt – du Nachtbegeisterung, Schlummer des Himmels kamst über mich – die Gegend hob sich sacht empor; über der Gegend schwebte mein entbundner, neugeborner Geist. Zur Staubwolke wurde der Hügel – durch die Wolke sah ich die verklärten Züge der Geliebten. In ihren Augen ruhte die Ewigkeit – ich faßte ihre Hände, und die Thränen wurden ein funkelndes, unzerreißliches Band. Jahrtausende zogen abwärts in die Ferne, wie Ungewitter. An Ihrem Halse weint ich dem neuen Leben entzückende Thränen. – Es war der erste, einzige Traum – und erst seitdem fühl ich ewigen, unwandelbaren Glauben an den Himmel der Nacht und sein Licht, die Geliebte.

Novalis – Einst da ich bittre Thränen vergoß

Glänzende Rose

Kopfüber im Weltlichen
Verloren im Albtraum
Fern von der Seele
Dabei bist du allles

Nachtwache an deinem Bett
Halte ich Dämonen fern
Krieg in mir tobt
Mitten in mir auslöscht

Mein Blick ruht auf dir
Du mir unbegreiflich bist
Mein Blut und Geist
Fleisch und Seele meiner

Wertvoller als das blaue Blütenmeer
Fünftes Seiendes
Diesseits und Jenseits
Du

José David da Torre Suárez