Ein Brief

Sehr geehrte Frau,

sicherlich denken Sie, das hier sei ein Liebesbrief. Das ist es auch, aber auch etwas mehr als das. Heute schreibt Ihnen nicht der liebende José, sondern ein Organ von ihm. Er nennt mich corazón. Ja, ich bin es, das Herz! Ich bin das wichtigste Körperteil, das er hat, noch vor Elena, diesem verschrobenen Weib. Verzeihen Sie mir, lassen Sie mich etwas von Ihrer kostbaren Zeit stehlen. Weiterlesen…

Stern über dem Meer

Moon Walk...

Ich bin ein Stern über dem Meer
Der sich heute zufällig verliert
Fremd mir die Liebe
Fremd mir das Glück
Am Abgrund der mondenen Nacht
Will ich ein einziges Mal leben

Ich bin ein Stern über dem Meer
Der heute den Ausbruch wagt
Ich will in deinen Augen ertrinken
Den letzten Atemzug spüren
Während mich deine Lippen verführen

Ich bin ein Stern fern vom Meer
Inbegriffen im Verglühen
Auf Knien zu deinen Füßen
um dich zu lieben
und zu sterben

*

José David da Torre Suárez, 2017

Frage

Ich frage Dich: Sag‘ mir das Rätsel des Lebens,
Sag‘ mir des Seins und der Sehnsucht Sinn!
Ist alles Sehnen und Streben vergebens?
Kannst Du mir künden: „Woher?“ und „Wohin?“

Ich klopfte an allen Toren der Erde.
Bis zu den Sternen stieg ich empor.
Am Leib erlebt‘ ich das „Stirb und Werde“.
Die Seele sang mit den Engeln im Chor.

Ich hab‘ mit Dämonen um mich gestritten
Und mit dem Dämon in eigener Brust.
Ich hab‘ mich gemüht, ich habe gelitten,
Wie’s keinem, auch keinem ward bewußt.

Da kamst Du, Mensch gleicher Sehnsucht, gegangen,
Der Du selber gekämpft bis aufs Blut.
Wir sahen uns nackt, – kein Fetzen blieb hangen –,
Wir beide wissend, wie Leben tut.

Karl Ernst Knodt

Die Fabel vom weissen Ysegrin II

Erwache auf meinem Wundbett, meine Verletzungen längst geronnen, bleibt nur pulsierender Schmerz. Der Schnee eingetaucht in silber-grau, die Nacht ist eingekehrt. Schaue hinauf und erkenne nur ein klares mondloses Firmament frei von Sternen. Mein Blick wandert in den entfernten Hain; erkenne ein schwach pulsierendes blaues Leuchten. Ist es das Leuchten deiner Augen, weisser Ysegrin?

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Die Fabel vom weissen Ysegrin

Die Kälte der hinabgefallene Schneeflocke auf meiner Nasenspitze, längst im Schmelzen begriffen, lässt mich aus einem dumpfen Albtraum erwachen, mit dem Augenschlag längst vertrieben. Noch benommen vom Schlaf erfassen meine Sinne die Kälte, die meine liegende Körperseite bis zur Wange berührt. Zunächst wie von Sinnen, kann ich nur ein blendendes Weiß erkennen. Mein Blick wandert umher. Eine Landschaft im Dämmerschlaf; von einer Schneedecke verhüllt. Ich setze mich auf; noch leicht verloren schaue ich an mir herab. Nicht mehr als eine schmucklose Kutte in aschgrauen Leinen an mir; ein Leichentuch hält die berstende Kälte wundersam von mir. An meinen Füßen Gamaschen aus den selben Laken gehalten von Birkenholz. Widme mich der Umgebung; um mich herum weisse Massen, unberührt und fern. Meereisblumen blitzen hier und dort auf; gesäumt von Grashalmen und Wurzeln von Reif gesprenkelt.

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Blasphemie

Ich weiß nicht, ob meine Liebe Sünde ist, gegen Gottes Recht verstoßt,
Doch weiß ich, dass die Qual sich all die Nächte lohnt.

Gott mag mich bestrafen, mir den Himmel verwehren,
Dennoch wird er damit nicht meine Sinne bekehren.

Soll der Herr mich verdammen, der Teufel mich holen,
verlässt du mich, fühle ich mich von Freude bestohlen.

Was ist das Paradies ohne dich, was soll ich in Garten Eden?
Du erfüllst mein Herz mit Passion, lässt mich erst Wahrheit sehen.

Das Himmelsreich wird zur Hölle wenn du nicht bei mir bist,
Gott mit all seinen Engel, egal wie makellos, reichen nicht.

Mein erster Gedanke gehört ihr, wenn ich den Tage beginne,
ich bin ihrer Anmut verfallen, vergib mir Vater im Himmel.

José David da Torre Suárez (2006)

Du stehst mir bei (Demo)

      Du stehst mir bei (Demo) - Fenryl Managarm