Bruchzeichen

Hörst du meinen Sprengruf, meine Liebe?
Wie er durch den ganzen Wald dröhnt
Seine Druckwelle reißt alles entzwei
Hinterlässt nur Schatten und Tod
wie die große Zarenbombe
Selbst in der sengenden Sommersonne
Trage ich meine dichte Winterpracht
Die 66 Enden meines schiefergrauen Geweihs
geziert vom silbernen Wolfsspross
Berstende Krone aus der Hölle
Meine Lichter schenken der Nacht die Sterne und
mein staubender Windfang die Orkane
Schützin, selbst mit deiner schweren Armbrust
Durchbricht dein goldener Schuss
Nicht mein bleierndes Gerippe
Sei keine Aasjägerin
Ich schlage mit letzter Kraft
Himmelsspuren an Baumstümpfen
Kirchgang zu meinem fährtenlosen Wundbett
Malepartus des sterbenen Waldgeistes
Wartend auf den Fangschuss
Deine kalte Waffe für
mein brennendes Herz

Ein Gedanke zu “Bruchzeichen

  1. Bruchzeichen: Zeichen aus Ästen und Zweigen, die von Jägern hinterlassen werden
    Sprengruf: Kampfschrei des Platzhirsches
    Zarbombe: Größte jemals gezündete Wasserstoffbombe
    66-Ender: https://de.wikipedia.org/wiki/Hirsch-Denkmal
    Wolfsspross: Ausnahmeerscheinung in der Geweihbildung
    Lichter: Jägersprache für Augen des Rotwilds
    Windfang: Jägersprache für Nase des Rotwilds
    Himmelsspuren: Knicken von Blättern und kleinen Zweigen mit dem Geweih
    Kirchgang: Rückzug des Hirschs nach der Morgendämmerung.
    Malepartus: französisch, schlecht, schlimm und pertuis, Durchgang – Fuchsbau
    Wundbett: Stelle, an dem sich das verletzte Wild
    Fangschuss: Tödlicher Schuss auf schwerverletzte Wild
    Kalte Waffe: Messer, mit der das schwerverletzte Wild getötet wird

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