Dich dich dich

Dich, der mich auf die Knie fallen lässt dich der das Blut in mir rauschen lässt dich der mich entthront will dich spüren wie ich nichts gespürt habe in diesem Leben dich lieben dich der mich aus meinen Grundankern reisst dich der mich vergessen lässt was vor dir war dich lieben dich der das Blut in mir rauschen lässt dich der mich mit meinen Dämonen nimmt dich der mich erschüttert zerfetzt bewusstlos macht dich der die Schleier dieser Welt zerreisst dich der mir Frieden schenkt dich lieben dich der mich auflöst dich der mich schätzt dich der mir den Boden raubt dich der mich trunken macht von Liebe dich der mich auffrisst dich will ich dich in den ich mich verlieren lasse dich der mir genügt dich der mir das Gewehr nimmt dich dich dich dich dich der mich die Last auf den Schultern vergessen lässt dich der mir die Dornenkrone nimmt dich der mich auf die Knie fallen lässt dich der mich bedingungslos nimmt wie ich bin dich dich der die Einsamkeit aus meinen Sinn vertreibt dich dich der in der Nacht auf mich wartet lieben lieben dich dich der mir Heimat gibt dich der mich umarmt wenn nichts mehr bleibt dich der den Funken entflammt dich dich den ich habe enttäuscht dich der meine Wunden heilt dich der steht wenn alle längst gefallen dich will ich dich der das blau ist dich lieben dich der im Krieg bleibt dich der mich glühen lässt dich der mich aus meinen Grundankern reisst dich der meine Geister vertreibt dich der mich der Dunkelheit nimmt dich dich der mich wecken wird den ich lieben will bis ich nicht mehr bin dich dich will ich lieben mit allem dich der du nicht bist und nicht sein wirst

José David da Torre Suárez, 2018

Jenseits von gut und böse

Es ist mir egal, ob sie mich am Ende vergöttern oder verteufeln; mir die Krone aufsetzen oder mich entthronen. Solange sie mich entfremden, kann ich jenseits von gut und böse sein. All mein Wirken und Schaffen ist letztlich darauf ausgerichtet. Es geht nicht darum, Lob zu erhalten und bejubelt zu werden, sondern irgendwo fernab von Erstaunen, Bewunderung und Abscheu zu sein. Um am Ende aller Tage den Unterschied gemacht zu haben.

Dort

Wenn ich dort sitze,
im Bistro bei Kerzenschein,
lasse ich sie mit aller Kraft
in meinem Herzen sein.

Wenn ich dort sitze,
in ihren Augen träume,
ist es kaum zu leugnen,
was mir diese Frau bedeutet.

Wenn ich dort sitze,
meine Lippen ihren Mund berühren,
Soll es nie enden,
will ich den Kuss noch Stunden spüren.

Wenn ich hier liege,
mit Tränen aus dem Traum erwache,
Ist die Welt um mich dunkel,
nicht weil es draußen nachtet.

José David da Torre Suárez

Ein Brief

Sehr geehrte Frau,

sicherlich denken Sie, das hier sei ein Liebesbrief. Das ist es auch, aber auch etwas mehr als das. Heute schreibt Ihnen nicht der liebende José, sondern ein Organ von ihm. Er nennt mich corazón. Ja, ich bin es, das Herz! Ich bin das wichtigste Körperteil, das er hat, noch vor Elena, diesem verschrobenen Weib. Verzeihen Sie mir, lassen Sie mich etwas von Ihrer kostbaren Zeit stehlen. Weiterlesen…

Stern über dem Meer

Moon Walk...

Ich bin ein Stern über dem Meer
Der sich heute zufällig verliert
Fremd mir die Liebe
Fremd mir das Glück
Am Abgrund der mondenen Nacht
Will ich ein einziges Mal leben

Ich bin ein Stern über dem Meer
Der heute den Ausbruch wagt
Ich will in deinen Augen ertrinken
Den letzten Atemzug spüren
Während mich deine Lippen verführen

Ich bin ein Stern fern vom Meer
Inbegriffen im Verglühen
Auf Knien zu deinen Füßen
um dich zu lieben
und zu sterben

*

José David da Torre Suárez, 2017

Frage

Ich frage Dich: Sag‘ mir das Rätsel des Lebens,
Sag‘ mir des Seins und der Sehnsucht Sinn!
Ist alles Sehnen und Streben vergebens?
Kannst Du mir künden: „Woher?“ und „Wohin?“

Ich klopfte an allen Toren der Erde.
Bis zu den Sternen stieg ich empor.
Am Leib erlebt‘ ich das „Stirb und Werde“.
Die Seele sang mit den Engeln im Chor.

Ich hab‘ mit Dämonen um mich gestritten
Und mit dem Dämon in eigener Brust.
Ich hab‘ mich gemüht, ich habe gelitten,
Wie’s keinem, auch keinem ward bewußt.

Da kamst Du, Mensch gleicher Sehnsucht, gegangen,
Der Du selber gekämpft bis aufs Blut.
Wir sahen uns nackt, – kein Fetzen blieb hangen –,
Wir beide wissend, wie Leben tut.

Karl Ernst Knodt