Auf der anderen Seite

Wir saßen am Fluss, in dem sich die Lichter der Stadt spiegelten wie ein Gemälde Van Goghs. Auf der anderen Seite küssten Lichter das Wasser, während wir hier saßen in der kalten Nacht. Deine Worte öffneten, sanft und leise, den lichtlosen Abgrund in dir. Mit jedem Wort und jeder aufkommenden Träne breitete sich diese pechschwarze Lache über allem aus und ich wünschte, mein Schwert hätte gereicht. Ich konnte sehen wie das, was nicht werden sollte, verdrängt wurde von einer schwarzen Gestalt, dessen Brüder zu lange in mir gehaust hatten. Mein Körper war angespannt, Blut schoss mir durch die Adern und ich ließ geschehen. Mit aller Kraft hörte ich einfach nur zu, denn es gab keine Worte. Wollte, dass der Dämon von dir ablässt, ich triefend bin vom Petroleum, bereit aufzugehen wenn es dir hilft. Bis mir klar wurde, dass ich in meinen Händen kein Schwert hielt, sondern die Schippe und lange genug den Graben ausgenommen hatte, in dem es jetzt liegt.

Einmal mehr zertrümmert Ödnis Leben.

Ausgesprochen alles nutzlos jämmerlich.

Wir saßen dort in dieser anbrechenden Nacht. Feierten den naiven Erfolg eines Momentes, der weltlicher nicht sein könnte. Heldin und Held, wie wir es oft sein wollten, dabei lagen wir in Trümmern des fehlenden Urvertrauens. Und ich wusste, dass da Dinge waren, die unentdeckt waren, unausgesprochen waren zwischen uns, auf der anderen Seite. Der Eifer betäubt diese umfassende Leere, wie sehr ich es wusste. Dabei reicht ein Hauch deines Wesens, dass ich aus dem traumlosen Moment gerissen werde. In der Luft war da diese Spannung, die schon ausgelöst war, wenn deine Haarsträhne meine rissige Haut berührte. Ein Donnerschlag der mich entzündet um zu Enden wie ein Waldbrand. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und rezitierte meine Verse wie ein Anruf Gottes vor der Apokalypse, das verschleierte Lahnen nach dir. Wissend, dass dieser Moment enden würde aus der Angst die mich umhüllt wie Kevlar und morgen wieder da wäre, um mich durch die Welt zu retten wie dich. Und meine Worte, die heute noch Salben für unsere Wunden waren, morgen Salven waren, die nicht nur Feinde trafen.

 

Lahnen: Ursprünglich stammt der Begriff Lahnen aus der Falknersprache und bedeutete das heftige Futterbetteln der zum Falkner zurückkehrenden Beizvögel. In der modernen Vogelkunde wird unter Lahnen sowohl das Futterbetteln der Jungvögel gegenüber ihren Eltern als auch das ritualisierte Futterbetteln des paarungsbereiten Weibchens gegenüber dem Männchen verstanden. (Wikipedia)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.