Der Träumer

Kein Geheimnis mehr, dass ich ein großer Verehrer von Jazz, Soul und Hip Hop bin. Die Fusion dieser Richtungen schafft dann für mich ein ganz neues Erlebnis, the best of both worlds.

Gestern kurz bei ARTE gesehen, kaum etwas gehört, aber nach diesen wenigen Tönen wusste ich: Das ist genau mein Ding. Das birgt es wieder in sich, das beste vom besten.

Von wem ist die Rede? José James mit seinem Album „The Dreamer“. Das Album ist bereits seit Anfang des Jahres auf dem Markt, aber da José James noch ein junges Talent ist, ging es an mir spurlos vorbei.

Mehr Jazz als der Rest, schafft seine Stimme es perfekt, sich dieser Mixtur anzupassen. Der Rhythmus spielt eine entscheidende Rolle, schlägt Loopings. Und gerade die, die Jazz als Opi-Mucke abschreiben, werden sich hier etwas anderes belehren lassen. Jose James haucht dem angestaubten Genres (sowohl Hip Hop als auch Jazz als auch Soul) neues Leben ein. Und nicht nur denen, denn wenn sich für die Produktionen auch Künstler wie Bassment Jaxx oder auch Flying Lotus eine Rolle spielen, sind noch ganz andere Musikrichtungen involviert.

Aus José James wird noch ein ganz großer Künstler, da bin ich mir sicher. Wunderbare Musik mit einer unglaublichen Coolness, die transportiert wird. Vergangenheit und Zukunft in einem, bildet eine neue Gegenwart.

Old School

Diggin‘ in the crates, aber wirklich. Bei meiner Aufräumaktion habe ich einen Schatz aus längst vergangenen Tagen gefunden. Meine ersten Gehversuche mit Rap, inzwischen mehr als 6 Jahre alt.

„Main City“, erster Track überhaupt, damals war ich noch 14.

[audio:http://fenryl.com/wp-content/uploads/2008/05/PITO_ANAL_MAIN_CITY.MP3]

Anschließend der zweite Track von mir, der einen anderen Ton anschlägt, „Mal was über mich“.

[audio:http://fenryl.com/wp-content/uploads/2008/05/MALWAS.MP3]

Damals unter dem Pseudonym „Pito AnaL“ statt Fenryl. Weshalb so ein Name? Damals ging es nur darum, die Meute zu schockieren, die ersten Texte gingen komplett in eine andere Richtung und haben sogar dafür gesorgt, dass die Polizei eingeschaltet wurde.

Kein Witz: Als ich einen meiner Texte (samt meines bizarren Logos) im privaten Spanisch-Unterricht habe liegen lassen, hat die Lehrerin, die danach unterrichtet hat, die Polizei gesucht. Gott sei dank konnte meine Spanisch-Lehrerin das schlimmste abwenden.

Mir hätte eine Anzeige wegen Landfriedensbruch gedroht, zumindest wollte mich die Lehrerin damit dran kriegen. Dabei waren es nur Texte gegen Nazis, damals im pubertären Leichtsinn geschrieben. Natürlich waren das die Worte der Lehrerin, heute sehe ich das entspannte. Mit 14 Jahren habe ich mich gefühlt wie James Dean.

PS: Wer jetzt ankommt mit: „Uuuuh, wie whack!“ Damals ging es noch nicht um Doppelreime, von der ganzen Technik hatten wir keinen Plan. Heute hat das einen ganz anderen Maßstab, die Qualität steht stärker im Vordergrund. Bedenkt man, dass „Mal was über mich“ und „Main City“ meine ersten Aufnahmen überhaupt waren, kann man sich bei dem entspannten Flow eine Scheibe abschneiden.

Ganz anders nämlich Periphair, heute auch bekannt unter Scibo Burask: Texte schon erste Sahne, war der Flow noch nicht ganz so ausgeprägt.

[audio:http://mzcr.de/old/PERIPHAIR_TALES.MP3]

Periphair – Phairy Tales

Sieht man heute seine Raps, hat sich da sehr sehr viel getan.

Update: Gerade noch mein altes Textbuch gefunden, Fotos davon müssen natürlich auch noch sein.

Vom Tango

„Vom Tango“ ist der erste und einleitende Teil des Zyklus, der sich mit Fragmenten aus meinem Leben befasst. Diese Kurzgeschichte ist deshalb dementsprechend alt und schildert ein Ereignis, welches ebenso lange zurück liegt. Ich messe dieser Erfahrung sehr viel Bedeutung bei, genau wie diesen Zeilen. Tango, das ist nicht Tanz, das ist Ritual.


Den ganzen Abend lang sitze ich bereits hier. In meiner rechten Hand das Glas, gefüllt mit Martini, an dem ich nippe. Mein Bein rührt sich zum Takt des langsamen Tangos. Mein Auge fängt Dich ein. Ich beobachte, wie Du langsam zu einem Tisch gleitest. Einsam hast du Platz genommen, schaust Du voller Sehnsucht zu den Tanzenden. Mein Blick ruht fest auf Dir, Du erwiderst ihn schließlich. Ich schreite zu Dir und fordere dich zum Tanz auf, denn es ist unser Begehr. Selbst wenn Du nicht tanzen kannst, den Rhythmus bestimmen unsere Herzen, nicht das spielende Orchester. Du nimmst meine Hand und folgst mir auf die Tanzfläche. So komm näher zu mir, lass Dich von meiner Sehnsucht umschließen. Auch Du verlangst danach und drückst unsere Rümpfe aneinander. So nah beinander, kann ich Deinen Herzschlag spüren. Langsam und trist schlägt es vor sich hin, unerfüllte Gefühle, die sich in Dir regen. Bittere Erfahrungen, die sich in Deinen Augen spiegeln, die auch in mir leben. In der Luft liegt sie, die Melancholie, die wir beide versprühen.

Träge beginnt das nächste Lied. Unsere Leiber aneinander geschmiegt, läuten wir die Nacht ein. Meine Lippen verlangen nach den Deinigen, zart erwiderst Du den Kuss. Während sich unsere Zungen berühren, streicht meine Hand deinen Körper entlang. Ich umfasse deinen Oberschenkel und presse so Dein Becken sanft gegen meine Hüften. Fast wie im Liebesakt sind wir vereint. Der Kuss löst sich, ich liebkose mit dem Mund Deinen Hals, du legst die Arme um mich, schließt mich fest an Dich. Ich verliere mich in Dir, vergesse alles um mich. Schon längst verdrängt der Schmerz der Vergangenheit, bist Du es, der ich mein Seelenheil Überlasse. Deine Lippen umschlingen mich, Du schreist nach mehr, bettest deinen Körper noch enger an mich. Eine Hitzewelle steigt in mir auf, die Leidenschaft nimmt Gestalt an. Dein Atem wird schneller, ich kann es spüren. Meine Zunge erkundet Dich, der süßliche Geschmack Deiner weichen Haut liegt in mir. Meine rechte Hand an Deinem Rücken, lasse ich Dich hinab gleiten und drücke Deinen Unterleib fest an Mich. Deine Augen geschlossen, gibst Du Dich mir hin und lässt es geschehen. In mir erlebe ich Gefühle, fern von dem, was ich kannte. Instinkte sind es, die mich kontrollieren. Wir schwingen Über das Parkett, schweißgebadet sind wir. Doch das ist egal in unserem Liebesspiel.